Vorladung von Robert Mueller: Hat Trump Angst?

Seit bekannt wurde, dass Sonderermittler Robert Mueller vor dem Kongress ausagen soll, zeigt sich Präsident Trump missmutig. Im Gegensatz zu seinem eigenen Generalstaatsanwalt William Barr möchte Trump nicht, dass Robert Mueller öffentlich aussagt.

Aus Angst davor, was Robert Mueller vor dem Kongress sagen könnte, nannte Trump die Vorladung und gesamte Untersuchung “verräterisch”. Während der Justizminister Barr keine Bedenken äußerte, kann sich Trump nicht mit der Idee abfinden. Seltsam, sollte man meinen, wo der Präsident doch behauptete, der Russland-Bericht entlaste ihn in allen Punkten.

Warum also hat Trump solche Angst vor dem, was Mueller zu sagen hat? Ein Grund scheint offensichtlich. Wie schon diverse Demokraten und Anwälte feststellten, entlastet der Abschlussbericht den Präsidenten ganz und gar nicht. Das knapp 450-seitige Dokument beschreibt einen Präsidenten, welcher die bewiesene Einmischung Russlands in seine Kampagne mit Kusshand begrüßte und von ihr profitierte. Gleichzeitig zeigen diverse Punkte eine Justizbehinderung durch Donald Trump. Außerdem beweist der Bericht, dasss Trump vor kriminellen Ideen nicht zurückschreckt und seine Mitarbeiter sogar zum Lügen zwingt. Im Groben entsteht zusätzlich das Bild, dass der Präsident sein Amt mit wenig Kompetenz und Expertise führt.

Ein zweiter Grund für die Angst von Donald Trump, könnte der Ermittler selbst sein. Mit der Vorladung von Robert Mueller wird es das erste Mal sein, dass der Sonderberater öffentlich spricht. Während seiner zweijährigen Ermittlung arbeitete Mueller verdeckt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wenige Informationen sickerten durch die sonst so schreibwütigen US-Medien. Der Bericht ist als seriöses, faktenbasiertes und formelles Dokument zu verstehen. In seiner Vorladung vor dem Kongress kann Robert Mueller jedoch einen weitaus detaillierteren Blick hinter die Kulissen der Trump-Kampagne geben. Zwei Jahre lang befragte der Ermittler Vertraute und Mitarbeiter des Präsidenten. Als Verfasser des Berichts, kann er seine Absichten und Schlussfolgerungen daher genauer erklären, als die Interpretationen der Abgeordneten. Während die Republikaner und Trump in dem Bericht eine völlige Entlastung sehen, interpretieren die Demokraten das Gegenteil. Die Wahrheit kennt nur Robert Mueller.

Ein dritter Grund für Trumps Missmut über Muellers Vorladung ist das Image des Sonderermittlers. Robert Mueller genießt ein hohes Ansehen in beiden Parteien. Sowohl die Demokraten als auch die meisten Republikaner vertrauen dem Ermittler und zollen ihm hohen Respekt. Dies liegt unter anderem an seiner stabilen und erfolgreichen Laufbahn. Mueller war nicht nur mehrfach ausgezeichneter Soldat, sondern auch ein tadelloser FBI Mitarbeiter. Trump befürchtet also, dass selbst seine Republikaner den Aussagen von Robert Mueller hohe Bedeutung einräumen.

Dies ist auch der Grund für den Strategiewechsel des Präsidenten. Ursprünglich respektierte Donald Trump die Arbeit des Ermittlers. Untypischerweise behandelte Trump Robert Mueller mit Respekt. Nun änderte der Präsident jedoch seinen Kurs. Er kritisiert den Sonderermittler, beleidigt ihn und versucht, seine Glaubwürdigkeit zu untergraben.

Trump erklärte die Untersuchung auf Twitter regelmäßig als “Hexenjagd”, die von “12, 14, 16, 18 verärgerten demokratischen Trump-Hassern” geführt wird. Welche Demokraten dies sind, wurde vom Präsidenten niemals spezifiziert. Den Abschlussbericht nannte Trump fortan “Crazy Mueller Report”. Auch Justizminister William Barr reiht sich in Trumps Taktik ein, um dem Ansehen von Robert Mueller zu schaden.

Barr gab eine vierseitige Zusammenfassung des Berichts heraus und schwärzte das eigentliche Dokument an brisanten persönlichen Stellen. Später stellte sich heraus, dass Robert Mueller einen Brief an den Justizminister schrieb, da er mit der Zusammenfassung Barrs nicht zufrieden war. Sie gebe nicht “den Kontext, die Art und den Inhalt der Arbeit und die Schlussfolgerungen dieses (FBI) Büros” wieder. Barr reagierte auf diese Behauptung vor dem Kongress, indem er Muellers berufliche Laufbahn erniedrigte und seinen Brief “pfiffig” nannte.

Wenn Robert Mueller aussagt, wird er also möglicherweise in der Lage sein, die wahren Schlussfolgerungen und Ereignisse mit seiner Glaubwürdigkeit, Erfahrung und seinem Ansehen zu untermauern. Trump fehlt für diesen Fall jede Option.

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