Trump rechtfertigt Versagen: Ein Handelskrieg auf Twitter

Nach diversen Gesprächen mit China zeigt sich, dass Donald Trump wohl doch kein so großes Verhandlungsgenie ist. Der selbsterklärte Dealmaker rechtfertigt seine Strategie nun auf Twitter, dabei strauchelt er.

Immer wieder bezeichnete Donald Trump die Zollverhandlungen mit China als “erfolgreich”. Gleichzeitig erhöhte der Präsident die Zölle für chinesische Produkte kontinuierlich. Trotz seiner Betonung auf die “guten Beziehungen” ist jedoch kein wirklicher Deal in Sicht. China spielt das Trump-Spiel mit und erhöht ihrerseits die Zölle auf amerikanische Produkte. Nach monatelangem Hin- und Her reagieren nun die Börsen auf Trumps mysteriöse Verhandlungsstrategie – und zwar mit Talfahrt. Investoren sind verunsichert. Dow, Nasdaq, S&P 500 zeigen roten Zahlen. Tump befindet sich im Rechtfertigungsmodus. Seit der letzten Woche trug der Dealmaker ohne Deal seine Strategie in die Öffentlichkeit. Auf Twitter erklärt Donald Trump, wie er sich die Welt vorstellt und in welch guter Position sich sein Land befindet. Die Unsicherheit des Verhandlungsgenies zeigt sich dabei direkt an zwei Nachrichten.

“Wir können morgen einen Deal mit China abschließen, bevor ihre Unternehmen anfangen zu gehen […] Wir sind jetzt in einer viel besseren Position als mit jedem anderen Deal, den wir hätten abschließen können.”, schreibt Trump auf Twitter. Er gibt seiner Basis das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Die Verhandlungen mit China könnten schon morgen abgeschlossen sein.

Keine Stunde später klingt der Präsident jedoch wieder ganz anders. “Wenn die Zeit reif ist, werden wir einen Deal mit China abschließen. Mein Respekt und meine Freundschaft mit Präsident Xi sind unbegrenzt, aber, wie ich ihm schon oft gesagt habe, muss das Geschäft sehr vielversprechend für die Vereinigten Staaten sein, sonst macht es einfach keinen Sinn.”, relativiert sich Trump auf Twitter. Deal or No-Deal? – das ist nun die Frage.

Bisher ist kein Ende im Handelsstreit mit China in Aussicht. Donald Trump ist sich dessen sicher bewusst. Der Bevölkerung muss er jedoch ein souveränes und erfolgreiches Bild vermitteln. Als Verfasser von “The Art of the Deal” und selbsterklärtes Verhandlungsgenie kann sich Trump diese Pleite nicht leisten. Zusätzlich steht die Wiederwahl 2020 auf dem Spiel.

Um sein Versagen in den aktuellen Verhandlungen mit China zu retuschieren, erklärt Trump die USA einfach als “Gewinner” des (nicht vorhandenen) Deals. Gleichzeitig wift er China vor, die Handlungsdefizite auszugleichen und gibt seiner eigenen Zentralbank, der Federal Reserve, die Schuld.

“China wird Geld in sein System pumpen und wahrscheinlich die Zinssätze senken, wie immer, um das Geschäft auszugleichen, das sie verlieren. Wenn die Federal Reserve jemals einen ‘Ausgleich’ machen würde, wäre es Game Over, wir gewinnen! Auf jeden Fall will China einen Deal!”, erklärt Trump auf Twitter.

“Unsere großartigen patriotischen Bauern werden zu den größten Profitmachern dessen gehören, was momentan geschieht. Hoffentlich wird China uns die Ehre erweisen, weiterhin unsere großartigen Agrarprodukte zu kaufen, die besten.”, verwirrt Trump auf Twitter. Diese Nachricht ist Widerspruch in sich. Trump erklärt die Farmer seines Landes zu den Gewinnern des Handelsstreits. Gleichzeitig hofft er jedoch, dass China weiterhin Agrarprodukte Amerikas importieren wird. Sollte sich China jedoch, als Folge des Abkommens, nach alternativen Handelspartnern umsehen, so werden aus den gewinnenden Bauern ganz schnell die Verlierer dieser politischen Auseinandersetzung.

Der Präsident ist sich den Folgen eines Handelskrieges also teilweise bewusst. Er fordert daher, dass Unternehmen ihre Produktionen in die USA verlegen um die hohen Zölle zu umgehen.

“China kauft VIEL weniger von uns als wir von ihnen kaufen, um fast 500 Milliarden Dollar, also sind wir in einer fantastischen Position. Machen Sie Ihr Produkt zu Hause in den USA und es gibt keinen Zoll. Sie können auch aus einem nicht zollgebundenen Land anstelle von China kaufen. Viele Unternehmen verlassen China, damit sie für die Käufer in den USA wettbewerbsfähiger werden. Wir haben jetzt eine viel größere Wirtschaft als China und haben uns seit der großen Wahl 2016 erheblich vergrößert. Wir sind das ‘Sparschwein’, das jeder überfallen und ausnutzen will. NICHT MEHR!”, wütete Trump.

Diese Rechnung geht jedoch nicht ganz auf. Gerade weil das Handelsdefizit zwischen den Ländern so groß ist und Amerika viel mehr aus China importiert als exportiert, würden die USA unter hohen chinesischen Zöllen leiden. Die teureren Produkte aus Übersee trägt zu großer Wahrscheinlichkeit der Endverbraucher. Die amerikanische Industrie ist von günstigeren Produkten aus China abhängig. Das Argument der Produktionsverlegung in die USA um Zölle zu umgehen kann daher auch umgekehrt gültig gemacht werden. Im schlimmsten Fall spielt Donald Trump seine Industrie in die Hände der Asiaten.

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