Trump im Panikmodus: Zwischen Leugnung und Verschwörung

Seit der Veröffentlichung des Russland-Berichts tobt Donald Trump in den sozialen Medien. Dabei verstrickt sich der Präsident in widersprüchlichen Aussagen. Mal sieht er in dem Abschlussbericht seine totale Entlastung und Unschuld bewiesen. Wenig später erklärt er den Inhalt des Dokuments als reines Lügenmärchen. Zwei Interpretationen die sich beissen. Heute fährt Donald Trump eine neue Strategie: Jeder andere ist Schuld. Dabei weicht er wie so oft nicht vor Verschwörungstheorien zurück.

Das Ende der zweijährigen Ermittlungsarbeit von Sonderermittler Robert Mueller, bezüglich der Einmischung Russlands in die Wahl 2016, hat die politische Landschaft Amerikas wachgerüttelt. Der Abschlussbericht zeichnet ein verstörendes Bild des Präsidenten.

Spätestens jetzt wird die politische und mediale Spaltung des Landes für jeden ersichtlich. Die Interpretationen des Mueller Berichts könnten nicht weiter auseinandergehen. Liberale Medien und Demokraten nehmen das Dokument sehr genau unter die Lupe und sehen in dem Bericht eine detaillierte Beschreibung eines kriminellen Hausbesetzers. Einen Präsidenten, dem es an Kompetenz fehlt, mit krimineller Energie und viel Dreck am stecken. Konservative Medien und Republikaner hingegen halten sich nicht mit diesen Details auf. Sie interessiert das Fazit. Keine Anklage gegen den Präsidenten. Amerika scheint versunken im Schwarz-Weiß-Denken. Sowohl die Medien als auch die Parteien positionieren sich 100% auf eine Seite.

Dann ist da noch „Individuum 1“ persönlich – Donald Trump. Seit der Veröffentlichung des Russland-Berichts verbringt dieser seine Zeit auf Twitter. Pausenlos teilt er Beiträge, macht seiner Wut Luft, beleidigt politische Gegner oder feiert seine Erfolge. Mal sieht er sich durch den Bericht komplett entlastet, dann wiederrum scheint alles nur eine große Lüge zu sein. Seine unaufhörlichen widersprüchlichen Reaktionen zeigen einen Hauch von Panik. Der Grund – der Präsident ist in einer Zwickmühle.

Wenn Trump in dem Bericht seine Entlastung sieht, muss er dem Dokument einen hohen Wahrheitsgehalt zusprechen. Nun zeigen die 450 Seiten jedoch, was Trump für ein Mensch ist. Mehrfach wollte er die Ermittlungen von Robert Mueller untergraben, den Sonderermittler sogar feuern. Außerdem beweisen FBI-Interviews mit Trumps Kollegen, dass er diese zum Lügen anstiftete und sogar rechtlich umstrittene Befehle gab. Diese wurden jedoch von seinen Mitarbeitern ignoriert. Es gibt also diverse Anhaltspunkte, dass Trump seinem Amt nicht gewachsen ist und die Justiz behindert hat. Das kann er natürlich unmöglich zugeben.

Der Präsident verstrickt sich daher in widersprüchlichen Aussagen. Nun ändert er seine Strategie dezent. Er gibt allen anderen die Schuld und bedient sich bei Verschwörungstheorien.

„‚Der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson wirft dem britischen Geheimdienst vor, der Obama Administration bei der Spionage der Trump Präsidentenkampagne 2016 geholfen zu haben.‘ @OANN WOW! Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis die Wahrheit herauskommt, und wenn sie es tut, wird sie eine Schönheit sein!“, schrieb Trump auf Twitter.

Donald Trump ist der Meinung, dass seine Kampagne bereits von seinem Vorgänger Barack Obama ausspioniert wurde. Für diese Theorie gibt es keine Beweise und nicht einmal die etablierten konservativen Medien glauben an diese Geschichte. Darum teilt Trump als Quelle auch „OANN“ One American News, ein dubioses Magazin, welches sich gern in Verschwörungstheorien verstrickt.

„Der Mueller-Report, obwohl von wütenden Demokraten und Trump-Hassern geschrieben und das mit unbegrenztem Geld dahinter (35.000.000.000 $), hat nichts gegen mich in der Hand. ICH HABE NICHTS FALSCH GEMACHT. Wenn die parteiischen Demokraten überhaupt versuchen mich anzuklagen, würde ich zuerst zum Höchsten Gericht gehen. Es gibt weder ‚hohen Verbrechen und Vergehen‘, noch gibt es Verbrechen von mir. Alle Verbrechen wurden von Crooked Hillary, den Demokraten, der DNC und schmutzigen Cops begangen – und wir haben sie auf frischer Tat ertappt! Wir warteten auf Mueller und haben gewonnen, also schauen die Demokraten zum Kongress als letzte Hoffnung!“, wütete Trump auf Twitter.

Der Präsident scheint Angst vor einem Amtsenthebungsverfahren zu haben. Er zitiert den direkten Gesetzestext für diese Regelung. Sollte ein Präsidenten an „hohen Verbrechen oder Vergehen“ beteiligt sein, kann er seines Amtes enthoben werden. Weiterhin sieht er in dem Bericht seine Unschuld, obwohl dieser in seinen Augen von Demokraten und Trump-Hassern geschrieben wurde. Dies ist natürlich eine Lüge. Der Bericht basiert allein auf der Ermittlung des FBI. Sonderermittler Robert Mueller ist zudem eingetragener Republikaner. Trump weist die Schuld von sich und wirft allen anderen undefinierte Verbrechen vor. Er wirft dabei Hillary Clinton, Demokraten, das Democratic National Committee (DNC) und „schmutzige Cops“ in einen Topf.

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